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Trauer verarbeiten, Emotionen integrieren und Heilung durch Bewegung

In diesem Jahr habe ich mir ganz bewusst eine längere Sommerpause geschenkt. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein mehr als richtig anfühlt.

Mein Partner und ich wollten heiraten. Ich wünschte mir Zeit – nicht nur für die Organisation, sondern vor allem dafür, diesen besonderen Lebensabschnitt wirklich zu erleben. Ohne Hast. Mit Raum für Vorfreude, Begegnungen und all das, was zwischen den To-do-Listen entsteht.

Doch das Leben hielt noch etwas anderes für mich bereit.

Zwischen unserer standesamtlichen Trauung und unserer großen Hochzeitsparty verstarb meine geliebte Oma.

Sie war schon lange krank. Die Alzheimer-Erkrankung hatte ihr Leben – und das meiner Mutter und meiner Tante als pflegende Angehörige – in den vergangenen Jahren immer mehr verändert. Ihr Abschied fühlte sich auf eine stille Weise stimmig für mich an. Und gleichzeitig hinterlässt er eine Lücke und es fehlt ein sehr wichtiger Mensch für mich hier auf der Erde.

Trauer und Freude gleichzeitig – beides darf da sein

In diesen Wochen waren intensive Gefühle wie Trauer und Freude gleichzeitig da.

Ich durfte erleben, dass Gefühle sich nicht gegenseitig ausschließen. Dass das Herz gleichzeitig vor Glück überfließen und vor Verlust schwer sein kann. Dass beides wahr ist. Beides seinen Platz braucht.

Für mich bedeutet Emotionen integrieren genau das: nicht das eine zugunsten des anderen wegzudrücken, sondern allem einen Raum zu geben. Wenn wir aufhören, Gefühle zu bewerten, kann etwas in uns weicher werden. Es entsteht die Möglichkeit, wirklich zu fühlen – und dadurch Schritt für Schritt Trauer zu verarbeiten.

Embodiment – wenn der Körper den Weg kennt

Das Schreiben hilft mir dabei. Und die Bewegung.

Wenn ich mit meinem Rad durch die sommerlichen Felder fahre, sortieren sich meine Gedanken oft ganz von selbst. Mein Atem wird ruhiger. Mein Körper findet seinen Rhythmus. Manchmal braucht es keine Antworten. Nur den Wind im Gesicht und die Bereitschaft, alles da sein zu lassen.

Für mich ist genau das Embodiment: den Körper nicht als etwas zu betrachten, das funktionieren muss, sondern als einen Ort, an dem Gefühle gehalten, bewegt und integriert werden können.

Ich glaube zutiefst daran, dass wir nicht alles mit dem Verstand lösen müssen. Unser Körper trägt eine Weisheit in sich, die uns oft den Weg zeigt – besonders dann, wenn Worte fehlen.

Heilung durch Bewegung – was meine Oma aus sich selbst heraus wusste

Meine Oma wusste das auf ihre ganz eigene Weise.
Sie hat sich – wie ich heute gerne sage – selbst „tanztherapiert“.

Tanzen gehörte schon immer zu ihrem Leben. Dort lernte sie auch meinen Opa kennen, mit dem sie 66 Jahre verheiratet war.

Im hohen Alter bekam das Tanzen noch einmal eine ganz neue Bedeutung. Wenn ihre Angst groß wurde oder die Demenz sie innerlich nicht zur Ruhe kommen ließ, stellte sie ihre Musik an und begann zu tanzen. Manchmal stundenlang.

Ohne den Begriff zu kennen, lebte sie etwas, das ich als Heilung durch Bewegung beschreiben würde. Über viele Jahre war der Tanz ihre Sprache. Eine Möglichkeit, mit ihrem Körper auszudrücken, wofür Worte nicht mehr ausreichten.

Wenn ich sie besuchte, tanzten wir oft gemeinsam. Ohne viele Worte. Ohne Erklärungen. Hand in Hand. Mit einem Lächeln füreinander. So tanzten wir auch bei meinem letzten Besuch bei ihr zu Hause.

Heute ist meine Oma nicht mehr hier auf der Erde. Und gleichzeitig ist sie mir auf eine neue Weise ganz nah. Wenn ich durch die Felder radle und die Sommerblumen sich im Wind wiegen, bin ich voller Erinnerung an sie. Mein Herz ist voller Dankbarkeit. Danke Oma.

Wenn der Körper trägt, was Worte nicht sagen können

Vielleicht erinnert dich diese Geschichte daran, dass Trauer verarbeiten nicht bedeutet, etwas hinter sich zu lassen. Sondern einen Weg zu finden, den Verlust liebevoll in das eigene Leben zu integrieren.

Vielleicht erinnert sie dich auch daran, dass Trauer und Freude gleichzeitig da sein dürfen. Dass wir Emotionen integrieren können, anstatt sie zu bekämpfen.

Und vielleicht lädt sie dich ein, deinem Körper wieder mehr zuzuhören. Denn Embodiment bedeutet für mich, mit meinem Körper in Beziehung zu sein. Ihm zuzuhören. Mich von ihm tragen zu lassen – gerade dann, wenn Worte fehlen.

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